Grüne Lagune
Ein Naturschutzgebiet, durch das Benzinmotoren knattern
Die Lagune de Somone ist das älteste Naturschutzgebiet Senegals. Durch sie fahren rund 45 Pirogen: Sie setzen die Bevölkerung zwischen Guereo und Somone über, bringen Gäste zu den Strandrestaurants am Nordufer und fahren Besucher in die Mangroven, um Vögel zu beobachten. Angetrieben werden sie von alten Benzin- und Dieselaußenbordern.

29. Juli 2026Die Mangroven der Lagune bei Ebbe. Kinderstube für Fische, Überwinterungsgebiet für Zugvögel.
Was diese Motoren anrichten
Sie machen Lärm, und zwar in einem Gebiet, dessen Wert zu einem guten Teil in seiner Stille liegt. Sie verlieren Öl und Kraftstoff aus undichten Leitungen, und zwar in ein flaches, geschlossenes Gewässer, die Kinderstube der Fische, in dem Muscheln wachsen und Vögel überwintern. Und sie stoßen Abgase aus.
Für die Menschen, die die Boote betreiben, kommt ein Problem eigener Art dazu: Treibstoff ist teuer. Die laufenden Kosten fressen den Verdienst auf.

29. Juli 2026Die „Le Thiokam“ auf der Lagune de Somone. Der Außenborder am Heck ist das Problem: Lärm, Abgase und Öl im ältesten Naturschutzgebiet Senegals.
Warum das erste Boot dieses Boot ist
Es gehört den Austern- und Muschelfischerinnen der Lagune, einem traditionellen Zusammenschluss von derzeit 45 Frauen. Sie arbeiten unter harten Bedingungen: im brusttiefen Wasser, tauchend nach Muscheln und Austern, die sie auch selbst züchten. Davon leben sie und ihre Familien, und die Erträge schwanken mit der Saison.
Das Boot hat ihnen das senegalesische Ministerium für Frauen und Gesundheit zur Verfügung gestellt. Es bringt sie mit ihrem Fang von den Arbeitsplätzen am anderen Ufer zurück ins Dorf.
Fährt es elektrisch, entfällt der teure Treibstoff für den alten Benzinmotor, und das Einkommen der Frauen steigt deutlich. Das ist kein Nebeneffekt, sondern der Grund. Und es ist der Beleg, den wir für alles Weitere brauchen: Ein Boot, das fährt, überzeugt anders als ein Konzeptpapier.
Wo wir stehen
Für das Boot der Austernfischerinnen reicht ein Motor mit 1,5 Kilowatt. Mit Batterie kostet er 2.650 €. Einen guten Teil davon hat der Verein aus eigener Kraft zurückgelegt.
Laden lässt sich die Batterie an einer kleinen Solar-Ladestation, die es schon gibt. Mit diesem einen Motor fährt das Boot also aus eigener Kraft.
Schritt für Schritt
Schritt 1
2.650 €
Das erste Boot
Motor und Batterie für das Boot der Austernfischerinnen. Mit weiteren 1.350 € kommen ein zweiter Akku zum Wechseln und eine verbesserte Solarstation dazu; dann fährt das Boot, während der andere Akku lädt.
Schritt 2
20.000 €
Vier weitere Boote, zwei Ladestationen
Vier Motoren mit Wechselbatterien und je eine Solar-Ladestation an beiden Ufern der Somone. Bei der Deutschen Botschaft in Dakar beantragen wir dafür Mikroprojektförderung; bewilligt werden können bis zu 12.000 €. Aufzubringen blieben dann 8.000 €, und fünf Boote führen solarelektrisch.
Ab Schritt 3
3.500 €
Jedes weitere Boot
Die Ladestationen stehen dann schon. Was bleibt, sind Motor und Batterien.
Wer was trägt
Die Bootsbetreiber sind in diesem Vorhaben gemeinschaftlich organisiert und beteiligen sich mit 100 € je Boot an den Kosten.
Für jede Ladung eines Bootsakkus zahlen sie umgerechnet rund 3 €. Aus diesen Einnahmen werden die Batterien ersetzt, wenn sie nach fünf bis sechs Jahren verbraucht sind. Der genaue Preis wird noch festgelegt und angepasst, sobald es genug Erfahrungswerte gibt.
An den Stationen lassen sich auch Mobiltelefone laden, ebenfalls gegen eine kleine Gebühr.

Mobiltelefone laden an der Steckdose am Brunnen. Auch an den Solar-Ladestationen sollen sich Telefone laden lassen.
Der Weg danach
Das erste Boot ist eines von rund 45. Sie alle umzurüsten, wird Jahre dauern. Deshalb gehen wir Boot für Boot vor, und deshalb ist mit dem ersten nichts erledigt.
Den Antrag bei der Botschaft stellen wir gemeinsam mit dem NCD. Unsere Vision reicht über die Somone hinaus: Was hier funktioniert, soll sich auf andere Regionen übertragen lassen, besonders auf geschützte Mangrovengebiete.

7. August 2026Mit dem Kommandanten des Meeresschutzgebiets haben wir die Umrüstung der Boote besprochen.
Warum das auch eine europäische Angelegenheit ist
Ein großer Teil der Vögel, die in der Lagune überwintern, verbringt den Sommer bei uns. Darunter sind Arten der Roten Liste: der Große Brachvogel und der Kiebitz, die im Münsterland etwa in den Heubachwiesen brüten, und die Flamingos aus dem Zwillbrocker Venn.
Wer hier Ruhe, sauberes Wasser und frische Luft zurückgibt, tut das also nicht nur für Senegal. Die Vögel kehren im Frühjahr in besserer Verfassung zurück, und sie gehen den europäischen Ökosystemen nicht verloren.
Deshalb verstehen wir das Vorhaben als Pilotprojekt. Was in der Somone funktioniert, lässt sich auf andere Schutzgebiete übertragen, und davon gibt es an dieser Küste einige sehr bedeutende: im Norden den Nationalpark Djoudj im Delta des Senegalflusses, im Süden das Delta des Sine-Saloum, nördlich des Gambia.

23. Januar 2015Pelikane in der Lagune. Viele Vögel, die hier überwintern, brüten im Frühjahr in Europa.
Was eine Spende hier bewirkt
- 2.650 €: ein Boot fährt elektrisch
- Motor und Batterie für ein Boot. Das erste ist das der Austernfischerinnen; laden lässt es sich an der Solarstation, die es schon gibt.
- 1.350 €: Wechselakku und Solarstation
- Ein zweiter Akku, damit das Boot fährt, während der erste lädt, und eine verbesserte Ladestation.